Paternoster

Was ist ein Paternoster oder auch Umlauflagersystem?

Paternoster oder auch Umlauflagersystem: Nicht nur als Aufzug gefragt, sondern ideal zur Lagerung von Kleinteilen

Jeder, der in 80er- oder 90er-Jahren einen Schritt in Ämter oder Verwaltungsgebäude gemacht hat, kennt den sog. Paternosteraufzug. Daher stammt auch die wenig schmeichelhafte Umschreibung als „Beamtenheber“. Doch zunächst einmal grundsätzlich: Der Paternoster ist ein klassischer Personen-Umlaufaufzug, hier finden typischerweise bis zu zwei Menschen pro Kabine Platz. Das Besondere an dieser Aufzugsanlage ist der Umstand, dass sich die jeweiligen Einzelkabinen (an Ketten hängend) im stetigen Umlauf steuern lassen. Ein und dieselbe Aufzugkabine wechselt mittels Wendepunkt-Scheiben ständig zwischen zwei Aufzugsschachten – einmal geht’s nach oben, ein anderes Mal wieder runter.

Was der Paternoster mit Intralogistik zu tun hat? Eine ganze Menge, wie proLogistik näher erklären wird. Zunächst aber noch einmal grundlegend zum Paternosteraufzug, bevor wir die logistische Komponente verständlich aufbereiten.

Grundlagen einfach erklärt: Paternoster als Personenaufzug

Der Begriff als solcher leitet sich vom Lateinischen ab und bedeutet sinngemäß „unser Vater“, er wurde im Laufe der Zeit vor allem von Bergarbeitern als Bezeichnung für Umlaufaufzüge verwendet, die in ihrer Anordnung den Rosenkranzperlen ähnlich sind. Der Paternosteraufzug ist so aufgebaut, dass Personen ohne Wartezeit und in beide Richtungen schnell einzelne Etagen überfahren können. Vor allem der Blick auf die Transportgeschwindigkeit pro Person verdeutlicht, weshalb dieses Prinzip vor allem in den Nachkriegsjahren verstärkt in öffentlichen Gebäuden zum Einsatz kam.

Jedoch: Paternosteraufzüge wurden in Westdeutschland nur bis 1974 in Betrieb genommen, es existieren aufgrund von Brandschutzvorschriften und anderer Regularien nurmehr etwa 200 Paternoster in Deutschland. Das Prinzip allerdings eignet sich optimal zum Handling von Kleinteilen, wie wir im nächsten Absatz näher erläutern werden.

Das Paternosterlager (PNL): Ein vertikales Umlaufregal für maximale Leistung auf begrenzter Fläche

Ein Umlauflagersystem in Form eines Paternosters ist gerade bei Kleinteillagern gefragt, denn die Vorteile liegen auf der Hand. So lässt sich einerseits Raum optimal ausnutzen, indem „in die Höhe“ gebaut wird. Vertikal verlaufende Regalböden sind so ausgelegt, dass sich hier verschiedene Kleinteile platzsparend lagern lassen. Andererseits reduziert sich die Suchzeit des Lageristen auf ein Minimum, auch sind Wegzeiten aufgrund des Ware-zum-Mann-Prinzips gänzlich weggefallen.

Regalsysteme wie das Paternoster lassen sich auf die jeweiligen Bedürfnisse des Unternehmens ausrichten, etwa speziell für Karteikästen oder als Etagenpaternoster für das Versandhandling. Denkbar wäre es zudem, die Schienenführung horizontal auszulegen (sog. Silopaternoster), um so Lagerraum weitestehend vollständig zu nutzen.

Merke: Ein Paternosterlager basiert auf dem Ware-zum-Mann-Prinzip und erleichtert die Kommissionierung von Kleinteilen, die über sog. Entnahmeöffnungen schnell und kompakt zugänglich gemacht werden. Es ermöglicht eine effiziente, weil direkt steuerbare Lagerung, gewährleistet eine hohe Umlaufgeschwindigkeit und vergrößert die Lagerfläche auch bei begrenztem Platzangebot.

Aufbau eines Paternosterlagers

Um sich die Funktionsweise eines Paternosters besser vorstellen zu können, wollen wir den Aufbau dieses Umlaufregalsystems näher skizzieren. Der besondere Vorteil liegt darin, dass praktisch in jedem Fall eine individuelle Auslegung an die Erfordernisse des Lagers möglich ist. Individuelle, kundenspezifische Lösungen sind somit jederzeit realisierbar.

Die wichtigsten Facetten des Paternosterlagers im Folgenden zusammengefasst:

  • Das Grundprinzip basiert auf dem Paternosteraufzug, die Lagerware wird direkt zum Bediener geliefert (Ware-zum-Mann-Prinzip), nicht umgekehrt.
  • Vertikal angeordnete, umlaufende Regalböden lassen sich über ein bequem erreichbares Bedienfenster mit Waren be- und entladen. Jedes Lagerfach ist mit einer einmaligen Nummer versehen, sie rotieren innerhalb des geschlossenen Systems.
  • Der Paternoster lässt sich mit Sichtlagerbehältern nutzen, um beispielsweise Kleinteile via Kleinteilebehältern effizient zu handeln. Sie können lose und ohne Verpackung gelagert werden.

Wichtig: Ein Paternosterlager als Umlauflagersystem kann nicht beliebig erweitert werden. Das liegt an der starren Außenhülle. Sehr wohl lässt sich aber das Innenleben des Lagersystems optimieren, beispielsweise um die Kommissionier-Leistung auf Basis einer höheren Umlaufgeschwindigkeit zu steigern. Ein Lagermanagement nach Fifo-Grundsatz („First in, first out“) als auch nach Lifo-Prinzip („Last in, first out“) lässt sich mit einem Umlaufregal á la Paternoster realisieren.

 

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