Ein Warehouse Management System (WMS) für Logistikdienstleister muss vier Funktionsblöcke nativ abdecken: echte Mandantenfähigkeit inklusive Submandanten und strikter Datentrennung, ein Produktions- bzw. VAS-Modul für Zusatzleistungen, ein integriertes Abrechnungsmodul, das jede Lagerbewegung und Dienstleistung mandantengenau erfasst, sowie getrennte Schnittstellen pro Mandant zu ERP-, Shop- und Transportsystemen. Fehlt einer dieser Blöcke, entsteht Nacharbeit in Excel – meist genau dort, wo die Marge des Dienstleisters liegt.
Die vier Funktionsblöcke im Überblick
| Funktionsblock | Muss-Funktionen | Warum es ohne nicht geht |
|---|---|---|
| Mandantenfähigkeit | Unbegrenzte Mandanten und Submandanten, getrennte Bestands- und Benutzerverwaltung, mandantenspezifische Prozesssteuerung, eigenständiges Einrichten von Mandanten, Reports, Lagerplätzen und Regalen | Bestände und Eigentumsverhältnisse dürfen sich nie vermischen – auch nicht in Reports oder Inventuren |
| Value Added Services | Integriertes Produktionsmodul, VAS als eigene Auftragsart, digitale Rückmeldung und Dokumentation je Leistung | Zusatzleistungen sind abrechenbar – aber nur, wenn sie im System erfasst statt auf Papier notiert werden |
| Abrechnung & Controlling | Faktura mit täglichem Abgleich der Bewegungsdaten, Simulation unterschiedlicher Konditionen, Übergabe an ERP oder Buchhaltung, Mitarbeiter-Controlling | Ohne automatische Zuordnung pro Mandant bleibt die Lagergeldabrechnung ein manueller Monatsend-Kraftakt |
| Integration | Standardisierte Schnittstellen zu ERP-, Shop-, Transport- und Kundensystemen, parallel betreibbare Anbindungen je Mandant | Jeder neue Auftraggeber bringt seine eigene Systemlandschaft mit – Onboarding-Zeit ist Wettbewerbsfaktor |
1. Mandantenfähigkeit: mehr als ein Kundenfeld im Datensatz
Standard-WMS aus dem Eigenlager-Umfeld kennen meist nur einen Bestandseigentümer. Für Logistikdienstleister ist das nicht ausreichend. Gefordert ist eine unbegrenzte Mandanten- und Submandantenfähigkeit, bei der jeder Auftraggeber – und dessen eigene Kunden – sicher getrennt geführt wird. Lösungen für Logistik-Dienstleister und 3PL-Anbieter
- Getrennte Bestandsführung: Warenbewegungen, Lagerplätze und Eigentumsverhältnisse sind eindeutig einem Mandanten zugeordnet.
- Mandantenspezifische Prozesssteuerung: Wareneingangsprüfung, Kommissionierstrategie oder Versandregeln können pro Auftraggeber unterschiedlich definiert sein.
- Eigenständige Konfiguration: Neue Mandanten, Reports, Lagerplätze und Regale richtet der Dienstleister selbst ein – ohne Entwicklungsticket beim Anbieter.
- Flexible Lizenzierung: Saison- und Auftragsspitzen lassen sich abdecken, ohne dauerhaft Lizenzen für den Maximalfall zu bezahlen.
2. Value Added Services digital abbilden statt nachträglich schätzen
Zusatzleistungen sind für viele Kontraktlogistiker der ertragsstärkste Teil des Geschäfts: Displaybau, Aufbügeln, Konfektionierung, Set-Bildung oder Etikettierung. Damit diese Leistungen vollständig fakturiert werden können, müssen sie im System als eigener Prozess existieren – über ein integriertes Produktionsmodul oder als Value Added Services (VAS) mit digitaler Rückmeldung und Dokumentation.
Der praktische Effekt: Jede erbrachte Leistung ist mit Zeitstempel, Menge und Mandant hinterlegt und geht ohne Zwischenschritt in die Abrechnung ein.
3. Kundenindividuelle Abrechnung: das Unterscheidungsmerkmal
Ein echtes Multi-Client-WMS enthält ein integriertes Abrechnungsmodul, das alle Lagerbewegungen und Dienstleistungen pro Mandant erfasst und für das ERP- oder Buchhaltungssystem aufbereitet. Entscheidend sind drei Fähigkeiten:
- Täglicher Abgleich der Bewegungsdaten – Abweichungen fallen sofort auf, nicht erst zum Monatsabschluss.
- Simulation unterschiedlicher Konditionen – Tarifmodelle lassen sich vor der Angebotsabgabe gegen echte Bewegungsdaten rechnen.
- Mitarbeiter-Controlling – integrierbare Leistungsmessung als Basis für Projektkalkulation und SLA-Nachweise.
4. Schnittstellen: pro Mandant, parallel betreibbar
Jeder Auftraggeber bringt eigene Systeme mit. Ein WMS für Logistikdienstleister braucht deshalb standardisierte Schnittstellen zu ERP-, Shop-, Transport- und Kundensystemen – und die Fähigkeit, separate Anbindungen an die Systeme unterschiedlicher Mandanten problemlos parallel zu betreiben. Ergänzend relevant: Yardmanagement, NVE-Vereinnahmung und die direkte Anbindung automatischer Kleinteilelager, etwa über den pLG AutoStore Connector, der ein untergelagertes Sub-WMS entbehrlich macht.
5. Fulfillment und E-Commerce als Standardfall
B2C-Volumen ist bei 3PL-Dienstleistern längst Regelgeschäft. Dafür nötig sind Webshop-Anbindung zur direkten Platzierung von B2C-Kundenaufträgen, Multi-Order-Kommissionierung und ein Retourenmanagement, das Rückläufer mandantengenau wieder verfügbar macht.
Checkliste für die Systemauswahl
- Sind Mandantenfähigkeit und Abrechnung nativ enthalten oder kostenpflichtige Add-ons?
- Können Mandanten, Reports und Lagerstrukturen ohne Anbieter angelegt werden?
- Lassen sich mehrere ERP-, Shop- und Transportanbindungen gleichzeitig betreiben?
- Werden VAS als eigener, dokumentierter Prozess geführt?
- Deckt die Lizenzierung Auftragsspitzen ab?
- Ist das System durch eine unabhängige Stelle geprüft – etwa jährlich durch das Fraunhofer IML?
Häufige Fragen (FAQ)
Was bedeutet Mandantenfähigkeit bei einem WMS?
Mandantenfähigkeit bedeutet, dass ein WMS mehrere Auftraggeber in einer Installation parallel verwaltet – mit getrennten Beständen, Benutzerrechten, Prozessen und Reports. Submandantenfähigkeit erweitert das auf die Kunden des Auftraggebers.
Warum reicht ein Standard-WMS für Logistikdienstleister nicht aus?
Standard-WMS sind auf einen Bestandseigentümer ausgelegt. Ihnen fehlen in der Regel mandantengenaue Abrechnung, parallele Schnittstellen pro Auftraggeber und die Abbildung von Value Added Services als eigenständiger Prozess.
Welche Value Added Services lassen sich in einem WMS abbilden?
Typisch sind Displaybau, Aufbügeln, Konfektionierung, Set-Bildung und Etikettierung. Sie werden über ein integriertes Produktionsmodul oder als VAS geführt, digital rückgemeldet und dokumentiert – und sind damit abrechenbar.
Wie funktioniert die kundenindividuelle Abrechnung im WMS?
Ein integriertes Abrechnungsmodul erfasst alle Lagerbewegungen und Dienstleistungen pro Mandant, bereitet sie für ERP oder Buchhaltung auf und ermöglicht einen täglichen Abgleich der Bewegungsdaten sowie die Simulation unterschiedlicher Konditionen.
Wie werden unterschiedliche Kundensysteme angebunden?
Über standardisierte Schnittstellen zu ERP-, Shop-, Transport- und Kundensystemen. Separate Anbindungen für verschiedene Mandanten lassen sich parallel betreiben, sodass neue Auftraggeber ohne Eingriff in bestehende Integrationen aufgeschaltet werden.
Welche Funktionen deckt das proLogistik WMS für 3PL-Anbieter ab?
Das pLG WMS deckt die Kernprozesse eines 3PL-Dienstleisters ab: Lagerverwaltung, Multi-Client-Bestandsführung, Kommissionierung, Value Added Services, Versandabwicklung, Reporting und Abrechnung. Ergänzend kommen Mandantenverwaltung, SLA-Überwachung, kundenindividuelle Workflows und Portale zur Auftrags- und Bestandsübersicht hinzu.
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