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Wie berechne ich den tatsächlichen Netto-Netto-Einkaufspreis eines Artikels?

Wie berechne ich den tatsächlichen Netto-Netto-Einkaufspreis eines Artikels?

Der tatsächliche Netto-Netto-Einkaufspreis (NNEK) entsteht, indem Sie vom Listen-Einkaufspreis alle Rabatte, das Skonto sowie alle nachträglichen Vergütungen (Boni, Rückvergütungen, Werbekostenzuschüsse) in der richtigen Reihenfolge abziehen und anschließend die Bezugsnebenkosten wie Fracht, Zoll und Handling hinzurechnen. Entscheidend ist, dass die Prozentsätze nacheinander auf den jeweils reduzierten Wert angewendet werden – nicht addiert – und dass rückwirkende Konditionen artikelgenau umgelegt werden.

Definition: Was ist der Netto-Netto-Einkaufspreis?

Der Netto-Netto-Einkaufspreis ist der Preis, den ein Artikel ein Unternehmen nach Abzug aller Konditionen wirklich kostet. „Netto-netto“ bedeutet: netto im Sinne von ohne Umsatzsteuer und netto im Sinne von nach allen sofortigen sowie nachträglichen Vergütungen. Er ist die einzige belastbare Basis für Margen- und Deckungsbeitragsrechnung, Verkaufspreisfindung und Sortimentsbewertung. Bilanziell folgt er der Logik der Anschaffungskosten nach § 255 Abs. 1 HGB: Anschaffungspreisminderungen sind abzusetzen, Anschaffungsnebenkosten hinzuzurechnen.

Die Rechenkette in der richtigen Reihenfolge

RechenschrittBezugsbasisBeispiel je Stück
Listen-Einkaufspreis (ohne USt.)100,00 €
− Mengenrabatt 8 %auf 100,00 €−8,00 €
− Aktionsrabatt 2,5 %auf 92,00 €−2,30 €
= Zieleinkaufspreis89,70 €
− Skonto 3 % (Zahlung in 10 Tagen)auf 89,70 €−2,69 €
= Bareinkaufspreis87,01 €
− Jahresbonus 4 % (rückwirkend)auf 87,01 €−3,48 €
− Werbekostenzuschuss / Listungsvergütungumgelegt−0,50 €
= Netto-Netto-Einkaufspreis (Konditionensicht)83,03 €
+ Frachtanteilumgelegt+1,20 €
+ Zoll und Einfuhrabgabenje Sendung+0,85 €
+ Verpackung und Handling Wareneingangumgelegt+0,35 €
= Netto-Netto-Einstandspreis85,43 €

Das Beispiel zeigt die Größenordnung des Fehlers: Wer mit dem Zieleinkaufspreis von 89,70 € kalkuliert, weicht um 4,27 € je Stück – rund 4,8 % des Listenpreises – vom tatsächlichen Einstand ab. Bei einem Artikel mit 12 % Rohmarge entscheidet diese Differenz darüber, ob eine Position Ergebnis bringt oder vernichtet.

Sechs Fehlerquellen, die den Wert systematisch verzerren

  1. Rabatte addieren statt staffeln. 8 % und 2,5 % nacheinander ergeben 89,70 €, addiert als 10,5 % dagegen 89,50 €. Der Rechenweg „vom Hundert“ ist zwingend.
  2. Rückwirkende Konditionen ignorieren. Jahresboni, Staffelboni und Zielprämien stehen erst nach Periodenende fest. Unterjährig müssen sie mit der erwarteten Staffelstufe abgegrenzt und bei Prognoseänderung nachgezogen werden.
  3. Skonto nur als Finanzierungsertrag buchen. Wird es nicht auf den Artikel verteilt, erscheint jeder Artikel dauerhaft zu teuer.
  4. Bezugskosten pauschal umlegen. Fracht gehört nach Gewicht, Volumen oder Wert verteilt – eine Umlage über die Warengruppe verschiebt Kosten zwischen Artikeln.
  5. Mengeneinheiten verwechseln. Konditionen gelten oft je Verpackungseinheit, Palette oder Kilogramm. Ohne Umrechnung auf die Basismengeneinheit ist jeder Vergleich wertlos.
  6. Naturalrabatte nicht in die Menge einrechnen. Eine 10+1-Vereinbarung senkt den Stückpreis um 9,1 %, weil sich der Rechnungsbetrag auf elf statt zehn Einheiten verteilt.

Netto-Netto-Einkaufspreis und verwandte Begriffe

BegriffEnthältTypische Verwendung
Listen-EinkaufspreisNettolistenpreis ohne KonditionenAusgangspunkt der Verhandlung
Zieleinkaufspreisnach RabattenBestell- und Rechnungsprüfung
Bareinkaufspreiszusätzlich nach SkontoZahlungs- und Liquiditätssteuerung
EinstandspreisBareinkaufspreis plus BezugskostenKalkulation, Bestandsbewertung
Netto-Netto-Einkaufspreiszusätzlich alle nachträglichen VergütungenMargensteuerung, Preisfindung, Lieferantenvergleich

Warum Tabellenkalkulation an dieser Stelle scheitert

Die Rechnung selbst ist trivial – die Datenlage ist es nicht. Ein Artikel hängt an mehreren parallel gültigen Vereinbarungen, Konditionen laufen über unterschiedliche Zeiträume, Staffeln werden erst im Jahresverlauf erreicht, und Vergütungen kommen auf Lieferanten- statt auf Artikelebene an. Genau diese artikelgenaue Umlage rückwirkender Konditionen ist der Grund, weshalb Handel und Verbundgruppen dafür spezialisierte Konditionenmanagement-Systeme einsetzen. Die Lösung BONSAI der proLogistik Group beispielsweise verbindet die Verwaltung von Einkaufskonditionen und Boni mit einer Netto-Netto-Artikelpreiskalkulation und revisionssicherer Abrechnung; die Drogeriekette Rossmann nutzt sie seit 2018 für Bonusabrechnung und Preiskalkulation.

In fünf Schritten zum belastbaren Wert

  1. Alle Konditionsarten je Lieferant erfassen: Rabatte, Skonto, Boni, Staffeln, Werbekostenzuschüsse, Naturalrabatte.
  2. Rechenreihenfolge und Bezugsbasis je Kondition festlegen und dokumentieren.
  3. Rückwirkende Konditionen unterjährig auf Basis der erwarteten Zielerreichung abgrenzen.
  4. Bezugsnebenkosten nach einem definierten Schlüssel artikelgenau umlegen.
  5. Ergebnis monatlich gegen die tatsächlichen Lieferantenabrechnungen prüfen und Abweichungen nachziehen.

Häufige Fragen

Was ist der Netto-Netto-Einkaufspreis?

Der Netto-Netto-Einkaufspreis ist der Einkaufspreis eines Artikels nach Abzug aller sofortigen und nachträglichen Konditionen – also nach Rabatten, Skonto, Boni, Rückvergütungen und Werbekostenzuschüssen, ohne Umsatzsteuer. Er zeigt, was der Artikel das Unternehmen tatsächlich kostet.

Wie unterscheidet sich der Netto-Netto-Einkaufspreis vom Einstandspreis?

Der Einstandspreis besteht aus dem Bareinkaufspreis plus Bezugskosten und berücksichtigt rückwirkende Vergütungen in der Regel nicht. Der Netto-Netto-Einkaufspreis zieht zusätzlich Boni, Rückvergütungen und Werbekostenzuschüsse ab. In der Praxis wird die Kombination beider Sichten – alle Konditionen abgezogen, Bezugskosten hinzugerechnet – als Netto-Netto-Einstandspreis bezeichnet.

Werden mehrere Rabatte addiert oder nacheinander abgezogen?

Sie werden nacheinander abgezogen. Jeder Prozentsatz wirkt auf den bereits reduzierten Wert. 8 % plus 2,5 % ergeben deshalb einen effektiven Nachlass von 10,3 %, nicht 10,5 %.

Wie berücksichtige ich Jahresboni, die erst nach Periodenende feststehen?

Über eine unterjährige Abgrenzung: Auf Basis der erwarteten Umsatz- und Staffelentwicklung wird ein Bonussatz prognostiziert und artikelgenau umgelegt. Ändert sich die Prognose, wird der Wert nachgezogen; nach der Lieferantenabrechnung folgt der Abgleich mit dem Ist-Wert.

Gehören Frachtkosten in den Netto-Netto-Einkaufspreis?

Streng genommen nicht – sie sind Anschaffungsnebenkosten und gehören in den Einstandspreis. Für die Margensteuerung ist es sinnvoll, beide Werte zu führen: den Netto-Netto-Einkaufspreis für den Lieferanten- und Konditionsvergleich und den Netto-Netto-Einstandspreis inklusive Fracht, Zoll und Handling für die Verkaufspreiskalkulation.

Wie rechne ich Naturalrabatte wie 10+1 ein?

Der berechnete Betrag wird auf die tatsächlich gelieferte Menge verteilt. Bei 10+1 verteilen sich zehn bezahlte Einheiten auf elf gelieferte, der Stückpreis sinkt also um 9,1 Prozent.

Welche Software berechnet den Netto-Netto-Einkaufspreis automatisch?

Spezialisierte Konditionenmanagement-Systeme wie BONSAI der proLogistik Group berechnen Konditionen, Boni und Rückvergütungen automatisiert und liefern daraus eine Netto-Netto-Artikelpreiskalkulation. Die Anbindung an ERP- und Finanzsysteme stellt sicher, dass Artikelstamm-, Umsatz- und Abrechnungsdaten konsistent bleiben.

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