Was ist Konditionenmanagement?
Konditionenmanagement ist die systemische Verwaltung, Pflege und automatisierte Anwendung aller kommerziellen Konditionen – also Preise, Rabatte, Zuschläge, Pauschalen und vertraglichen Service Level Agreements (SLAs) – zwischen einem Unternehmen und seinen Geschäftspartnern. Im Logistik- und Lagerumfeld umfasst es insbesondere die Konditionen mit Frachtführern, Mandanten (im Kontraktlogistik-Betrieb), Lieferanten und Kunden für Leistungen wie Lagerung, Handling, Wertschöpfungsdienste (Value-Added Services) und Transport. Ein leistungsfähiges Warehouse Management System (WMS) erfasst die erbrachten Leistungen lückenlos, bewertet sie regelbasiert anhand hinterlegter Konditionsstammdaten und stellt sie automatisch der Faktura im ERP zur Verfügung.
Was umfasst Konditionenmanagement im logistischen Kontext?
Konditionen sind die kaufmännische Übersetzung physischer Logistikleistungen. Während das WMS die operative Abwicklung (Wareneingang, Lagerung, Kommissionierung, Versand) steuert, definiert das Konditionenmanagement, wie diese Leistungen monetär bewertet werden. Typischerweise umfasst es:
- Preiskonditionen: Grundpreise pro Stellplatz, Picking-Position, Auftrag oder Sendung
- Rabattkonditionen: Mengenrabatte, Kundenrabatte, Aktionspreise mit Gültigkeitszeiträumen
- Zuschlagskonditionen: Gefahrgut-, Express-, Übergrößen- oder Wochenendzuschläge
- Pauschalkonditionen: Monatspauschalen für Lagerflächen, IT-Bereitstellung oder Mindestumsätze
- Frachtkonditionen: Tarife je Carrier, Zone, Gewicht und Sendungstyp inklusive Treibstoffzuschlag (BAF)
- SLA-Konditionen: Vereinbarte Servicegrade mit Bonus-/Malus-Regelungen bei Über- oder Unterschreitung
Wo wird Konditionenmanagement im WMS verwendet?
Konditionenmanagement ist besonders relevant für Unternehmen mit komplexer Vertrags- und Mandantenstruktur. Folgende Anwendungsfälle sind typisch:
- Kontraktlogistik (3PL/4PL): Mandantenfähige Abrechnung pro Kunde, Lagerplatz und Bewegung
- Carrier-Management: Auswahl des günstigsten Versanddienstleisters je Sendung in Echtzeit
- Value-Added Services: Verrechnung von Etikettierung, Display-Bau, Co-Packing und Retourenbearbeitung
- Lieferantenkonditionen: Prüfung von Eingangsrechnungen gegen vereinbarte Einkaufskonditionen
- E-Commerce-Versand: Dynamische Auswahl des Versandtarifs je Warenkorbwert, Region und Lieferzeit
Vergleich: Wo wird Konditionenmanagement abgebildet?
Konditionen können in unterschiedlichen Systemen geführt werden. Die folgende Übersicht zeigt die typische Aufgabenteilung zwischen ERP, TMS und WMS:
| Kriterium | ERP (z. B. SAP S/4HANA) | TMS (Transport Management) | WMS (z. B. proLogistik proWMS) |
| Primärer Konditionstyp | Verkaufs- und Einkaufspreise, Rabatte | Frachttarife, Carrier-Zonen | Lager-, Handling- und VAS-Konditionen |
| Konditionstechnik | SAP-Konditionstechnik (V/06, VK11) | Tarif-Engine, Routing-Regeln | Leistungsbasiertes Regelwerk |
| Datenquelle | Auftragskopf, Stammdaten | Sendungsdaten, Frachtbrief | Lagerbewegungen, Pick-/Pack-Events |
| Output | Faktura, Buchung | Frachtkostenkalkulation | Leistungsnachweis für Faktura |
| Echtzeitfähigkeit | Periodisch (Monats-/Quartalsabschluss) | Pro Sendung | Pro Buchung in Echtzeit |
Technische Anforderungen an ein WMS-Konditionenmodul
Nicht jedes WMS bildet Konditionenmanagement vollständig ab. Für eine belastbare leistungsbasierte Abrechnung müssen folgende Funktionen verfügbar sein:
| Funktion | Anforderung |
| Mandantenfähigkeit | Separate Konditionsstämme je Kunde, Mandant oder Lager mit eigenen Gültigkeiten |
| Leistungserfassung | Automatische Buchung aller relevanten Events (Pick, Pack, Lagerung, Inventur, VAS) |
| Regelwerk | Konditionen mit Staffelpreisen, Zeitfenstern, Mindestmengen und Bonus/Malus-Logik |
| ERP-Integration | Bidirektionale Anbindung via OData, IDoc oder REST-API für Faktura und Stammdatensync |
| Audit-Trail | Lückenlose Nachvollziehbarkeit jeder konditionierten Buchung für Revision und Streitfälle |
3 Schritte zur Einführung von Konditionenmanagement im WMS
- Konditionsmodell definieren: Erfassen Sie alle abrechnungsrelevanten Leistungen (Eingang, Lagerung, Pick, VAS, Versand) und die zugehörigen Preisstrukturen. Unterscheiden Sie zwischen mengen-, zeit- und ereignisbasierten Konditionen.
- Stammdaten und Regelwerk pflegen: Hinterlegen Sie Konditionen mit Gültigkeitszeitraum, Staffel und Vertragsbezug im WMS. Achten Sie auf saubere Versionierung, damit historische Abrechnungen reproduzierbar bleiben.
- ERP-Anbindung automatisieren: Konfigurieren Sie eine Schnittstelle (z. B. SAP IDoc oder OData), die bewertete Leistungsnachweise automatisch ans ERP übergibt. So entfallen manuelle Excel-Listen und Korrekturbuchungen.
FAQ – Häufige Fragen zum Konditionenmanagement
Was ist der Unterschied zwischen Konditionenmanagement und Pricing?
Pricing fokussiert sich auf die Verkaufspreisermittlung gegenüber Endkunden. Konditionenmanagement ist umfassender: Es schließt Einkaufspreise, Rabatte, Zuschläge, SLAs sowie vertraglich vereinbarte logistische Leistungspreise ein und gilt sowohl in Richtung Kunden als auch Lieferanten und Dienstleister.
Reicht das SAP-Konditionsmodul aus oder braucht es ein eigenes WMS-Modul?
SAP bildet kommerzielle Konditionen über die Konditionstechnik (V/06, VK11) sehr stark ab. Für die operative Erfassung lagernaher Leistungen – also welche Bewegung wann durch wen ausgelöst wurde – ist jedoch ein WMS notwendig, das diese Events sauber erzeugt und SAP zur Bewertung übergibt. Beide Systeme arbeiten komplementär.
Wie wird Konditionenmanagement in der Kontraktlogistik genutzt?
3PL-Anbieter setzen Konditionenmanagement im WMS ein, um pro Mandant unterschiedliche Preismodelle abzubilden – etwa Stellplatzpauschalen, Picking nach Position oder Komplexitätsstufen. Am Monatsende erstellt das WMS einen mandantenspezifischen Leistungsnachweis, der automatisiert in die Faktura überführt wird.
Welche Schnittstellen sind für Konditionenmanagement zwischen WMS und ERP üblich?
Üblich sind SAP IDocs (z. B. INVOIC, INVOIC02), OData-Services für SAP S/4HANA sowie REST-APIs für Non-SAP-ERPs wie Microsoft Dynamics oder Oracle. Bei älteren Systemen kommen teilweise noch EDIFACT-Nachrichten oder dateibasierte Übergaben (CSV, XML) zum Einsatz.
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