Baustoffgroßhändler setzt auf die Potenziale der Digitalisierung

Mit der sukzessiven Implementierung eines neuen ERP-Systems sowie einer branchenspezifischen Lagerverwaltungssoftware hat die Zentrallager Nowebau GmbH & Co. KG ihre Geschäftsprozesse in Großefehn auf eine neue, leistungsstarke und solide Basis gestellt. Von besonderem Vorteil war, dass beide Anwendungen die spezifischen Anforderungen des Baustoffgroßhandels bereits im Standard bedienen, sodass zusätzliche Konfigurationen auf ein geringes Maß beschränkt werden konnten.

Als Verteilergroßhandel beliefert Nowebau derzeit mehr als 100 Handelspartner zweimal pro Woche im Liniendienst auf Relationen von der dänischen Grenze bis ins Ruhrgebiet. Das qualitativ hochwertige Produktsortiment erfüllt sämtliche, mit dem Bauen, Umbauen, Modernisieren und Renovieren verbundenen Ansprüche: Treppen, Türen und Fenster, Paneele, Profilholz, Parkett oder Laminat sowie Materialien zur Wärmedämmung und ein breites Spektrum an Gartenbau-Produkten (Zäune, Blockhäuser, Terrassendielen, Blumen- und Pflanzkübel etc.).

Für die Zwischenlagerung dieser umfangreichen Angebotspalette stehen am traditionsreichen Firmensitz in Großefehn, Landkreis Aurich/Ostfriesland, zirka 80.000 m² Fläche zur Verfügung, die aufgrund der historisch gewachsenen Strukturen durch eine Straße räumlich getrennt wird. Mehrere 10.000 Paletten-Stellplätze verteilen sich über gut ein Dutzend Hallen. Das Areal umfasst zudem Freiflächen, die für die Blocklagerung von Waren genutzt werden. Damit bildet das Zentrallager Nowebau Großefehn eine zentrale Schnittstelle zwischen dem Baustoffhandelsunternehmen und den angeschlossenen Handelsbetrieben: „Diese Plattform versetzt unsere Partner in die Lage, ihre Lagerkapazitäten vor Ort flexibel zu halten und nicht ausreizen zu müssen“, erläutert Marco Emken, Geschäftsführer Zentrallager Nowebau GmbH & Co. KG. „Bei verringerten Warenbeständen und verschlankten Beschaffungsprozessen können sie dennoch ein äußert umfangreiches Sortiment anbieten, das pünktlich bereitsteht. Selbst Kleinstmengen ließen sich jederzeit ordern. Vorbehalten ist das Zentrallager drei Mandanten: Nowebau selbst sowie der TRAUCO Fachhandel GmbH & Co. KG und dem TRAUCO Werksgroßhandel.

Intelligente Beladung als Kür der Logistikleistung

Um die Geschäftsprozesse angesichts des anhaltenden Wettbewerbs- und Kostendrucks auf eine zukunftssichere Basis zu stellen, hat Nowebau 2013 in einem ersten Schritt das vorhandene Warenwirtschaftssystem abgelöst und durch das gevis ERP | NAV der GWS Gesellschaft für Warenwirtschafts-Systeme mbH aus Münster ersetzt. Für diese Lösung sprach nach Unternehmensangaben, dass bereits branchenspezifische Funktionalitäten im Standard integriert seien, sodass der Anpassungsaufwand vergleichsweise gering ausfällt. Darüber nutzt Nowebau umfangreiche Add-on-Software für das Dokumentenmanagement sowie Applikationen im Bereich Business Intelligence oder die Tourenplanung und Routenoptimierung.

Sämtliche Bestellungen werden seither zeitnah in das System eingepflegt. Infolge ist garantiert, dass alle Aufträge am nächsten Morgen auf Touren verteilt und spätestens um 10.00 Uhr beim Baustoffhändler bereitstehen. Auf dieses Versprechen verlassen sich nicht nur die Partner, sondern auch Handwerker, Unternehmen und Privatkunden. Dieses stets aufs Neue einzulösen ist angesichts des weitläufigen Geländes sowie der zahlreichen Hallen, in denen unterschiedliche Produktgruppen gelagert werden, jedoch eine Herausforderung der besonderen Art. Denn die Disponenten sind aufgefordert, eine bestmögliche Verteilung der angeforderten Waren auf die einzelnen Lkw zu realisieren. Erreicht wird dies, indem konsequent die Beladung an jener Halle erfolgt, aus der die meisten Waren zu entnehmen sind. Alle weiteren Teile werden dem jeweils beanspruchten Ladepunkt mithilfe von Staplern zugeführt.

Administration und Lagerverwaltung synchronisiert

Bis September 2017 erfolgte die Steuerung der Intralogistik allein über die ERP-Software, welche auch ein Modul für die Lagerbestandsführung beinhaltet. „Nachteilig war allerdings, dass ausgedruckte Touren- und Picklisten im Umlauf waren und hierbei spezielle Kenntnisse hinsichtlich der Bestände und deren Lagerplätze gefragt waren“, berichtet Marco Emken. „Erschwerend hinzu kam der immense Zeitdruck, dem vor allem ungeschulte Mitarbeiter kaum Stand halten konnten.“ Auch hätte im Rahmen der Kundenbetreuung oftmals die Frage im Raum gestanden, ob die durch das ERP-System signalisierte Verfügbarkeit in der Realität auch tatsächlich gegeben war.

Um diese Problematiken dauerhaft zu lösen, entschied sich Nowebau für die Implementierung einer ergänzenden Lagerverwaltungssoftware. Der Startschuss für die Umsetzung fiel Ende 2016. Dabei setzten die Partner auf das Lagerverwaltungssystem (LVS) pL-Store® Techline von proLogistik, für das im gevis ERP | NAV bereits eine vorprogrammierte Schnittelle existiert. „Diese Softwarelösung für die Lager- und Materialflusssteuerung wurde speziell für die Baustoff- und Sanitärbranche sowie den technischen Großhandel konzipiert und deckt deren besonderes Anforderungsprofil bereits im Standard ab“, sagt der zuständige Key Account Manager Jürgen Noll des Dortmunder Intralogistiksystemhauses. Zu den integrierten Zusatzfunktionen zählen unter anderem: Nuancen- und Chargenverwaltung, Prioritätensteuerung und das sogenannte Freestyle-Picking, Langzeitreserven-Verwaltung sowie die Volleinbindung in den Touren-Warenausgangsprozess. Basics sind neben der beleglosen Kommissionierung eine Online-Bestandsführung, permanente Inventur, chaotische und feste Lagerplatzverwaltung, ein selbstlernendes Staplerleitsystem und vieles mehr.


2-stufige Kommissionierung implementiert

Seit dem Go-Live im August 2017 werden sämtliche Intralogistikprozesse ausschließlich über pL-Store® Techline gesteuert. Die Software kommuniziert hierbei mit dem ERP-System, über das eingehende Bestellungen erfasst und an das LVS übermittelt werden. Zeitgleich stehen alle auftragsbezogenen Informationen den Mitarbeitern kompakt aufbereitet auf ihren mobilen Lese- und Datenerfassungsgeräten zur Verfügung. Hierbei handelt es sich zum einen um Stapler-Terminals aus der pro-V-pad-Reihe von proLogistik, die auch im rauen Umfeld des Baustoffgroßhandels funktionssicher ihren Dienst verrichten. Ferner werden Handhelds genutzt.  

„Mit dem Umstieg auf beleglose Kommissionierung hat die Zettelwirtschaft ein Ende und über das Lagerverwaltungssystem ist Bestandssicherheit gewährleistet, sodass auch die Beladevorgänge deutlich zielgerichteter und effizienter gestaltet werden können“, unterstreicht der Geschäftsführer vom Zentrallager Nowebau. Denn genau an diesem Punkt habe die Crux bestanden, weil täglich bis zu 14 Touren gleichzeitig verladen werden. Infolge wurde eine zweistufige Transportkette von der Kommissionierung zum Verladeplatz realisiert. „Durch die sofortige Übertragung jeder einzelnen Bestellung können die Verantwortlichen die Kommissionierung vorbereiten und die benötigen Waren an einem speziellen Lagerplatz innerhalb der Hallen sammeln“, führt Logistikleiter Lothar Ideus weiter aus.

Da im pL-Store-LVS sämtliche Bestände inklusive Lagerort abgebildet und auch die aktuell abzuarbeitenden Aufträge hinterlegt sind, errechnet ein Algorithmus praktisch in Sekundenschnelle, den idealen Standort für die Beladung der Lkw, der den Mitarbeitern zeitgleich übermittelt wird. Dank des integrierten Staplerleitsystems ist ferner sichergestellt, dass die Fahrer direkt via Bordterminal darüber informiert werden, in welchen Kommissionierbereichen beziehungsweise Hallen Waren aus dem derzeit insgesamt 8.356 Artikel umfassenden Sortiment aufzunehmen und zum jeweils vereinbarten Ladepunkt zu überführen sind.

Gutes noch besser ausgestaltet und zukunftssicher ausgerichtet

„Ein weiterer und für das Baustoffhandelsunternehmen zugleich entscheidender Vorteil von pL-Store® Techline ist die Mehrmandanten-Fähigkeit des Lagerverwaltungssystems“, betont Jürgen Noll. Bei deutlich gestiegener Informationstiefe seien darin sowohl individuelle Geschäftsprozesse, die sich flexibel modellieren lassen, als auch der jeweilige Auftragsstatus klar differenziert abgebildet. „Wichtig für uns war auch, dass Prozesse nicht komplett neu aufgesetzt werden mussten, sondern bewährte Verfahren heute systemunterstützt schneller und sicherer als zuvor abgewickelt werden können“, resümiert Marco Emken. Das LVS helfe, die Komplexität im Zentrallager Nowebau Großefehn zu beherrschen und sorge für Bestandssicherheit. Und dank der durchgängig beleglosen Auftragsabwicklung vom Wareneingang über die Kommissionierung bis zum Warenausgang habe man sowohl die Lieferqualität als auch die Effizienz in den Prozessen weiter verbessern können.


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